Die Leipzig Prognose

Akte Leipzig RBL

Der Klub, der die DFL austrickst. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zu RB Leipzig.

↗ aktebundesliga.net Die ganze Bundesliga
RB Leipzig
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE LEIPZIG" richtet sich an Lover und Hater der Roten Bullen. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Der Klub, der die DFL austrickst. Wenn Sachsen und „Ösis" sich zusammentun. Red Bull kauft sich einen Verein, steigt in Rekordzeit von der fünften Liga in die Bundesliga auf und wird sofort Titelkandidat. Die Puristen hassen es, die Pragmatiker bewundern es — und RB Leipzig beweist, dass man auch ohne 100 Jahre Tradition Spitzenfußball spielen kann. Champions-League-Halbfinale 2020, DFB-Pokal-Sieger 2022.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Leipzig ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Leipzig ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der RasenBallsport Leipzig e. V., kurz RB Leipzig (RBL oder „Rote Bullen“), spielt erst seit der Saison 2016/17 in der Fußball-Bundesliga. Nach Union Berlin und dem SC Paderborn ist RB Leipzig damit aktuell (Stand: Saison 2019/20) der Verein mit der kürzesten Zugehörigkeit zur deutschen Fußball-Eliteklasse. Die „Roten Bullen“ tragen ihre Heimspiele in der Red Bull Arena aus. Das WM-Stadion von 2006 bietet 42.959 Zuschauern Platz. Aufgrund der immer noch bestehenden RBL-Boykotte bei einigen Bundesliga-Vereinen, ist es vergleichsweise einfach, Tickets für RB Leipzig in der Red Bull Arena zu erwerben.

Der Verein wird 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet und übernimmt zur Saison 2009/10 das Startrecht des SSV Markranstädt in der fünftklassigen Oberliga Nordost. Die Lizenzspielerabteilung und die Nachwuchsteams bis zur U15 sind seit dem Aufstieg der ersten Mannschaft in die 2. Bundesliga 2014 in die RasenBallsport Leipzig GmbH ausgegliedert, deren Gesellschafter zu 99 Prozent die Red Bull GmbH und zu einem Prozent der Verein sind. Da auch die Vereinsmitglieder in enger Beziehung zu Red Bull stehen, wird der Klub faktisch von der Red Bull GmbH kontrolliert. Damit wird die „50 + 1″-Regelung im deutschen Fußball „ausgehebelt“. Das macht(e) den Klub vor allem in der Anfangszeit seines Bestehens, insbesondere in der Oberliga Nordost, in der 3. Liga, aber auch in der 1. und 2. Bundesliga zur Zielscheibe der gegnerischen Fans.

RB Leipzig gehört aufgrund seiner Vereinsstruktur und des Vorwurfs, ein „Klub ohne Tradition“ zu sein zu den Fußballvereinen in Deutschland, die am stärksten polarisieren und heftige positive wie negative Reaktionen auslösen. In Umfragen von YouGov (Juni 2019 -https://yougov.de/news/2019/06/24/fussball-bundesliga-bayern-dortmund-koln-und-leipz/) und Nielsen landet der Klub jeweils auf Platz drei der beliebtesten Vereine in Deutschland – hinter Bayern München und Borussia Dortmund. Dieses ist zurückzuführen auf konstant hohe Zustimmungswerte in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wo in einer Umfrage (Statista) aus dem Jahr 2017 ca. 20 Prozent der Befragten angeben, RB Leipzig Fan zu sein. Auf der anderen Seite erhält der Verein schlechte Werte, wenn in Umfragen unter Fußballfans nach dem sympathischsten Klub gefragt wird.

Beweis: In einer Umfrage der Technischen Universität Braunschweig wird im Jahr 2018 nach den sympathischsten Fußballklubs in Deutschland gefragt. Zur Auswahl stehen alle damaligen Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga. RB Leipzig landet auf dem vorletzten Platz. Der SC Freiburg, der FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach, Union Berlin und Mainz 05 sind die sympathischsten Bundesliga-Vereine.

RB Leipzig
Abb.1.5.1 Quelle: YouGov FootballIndex; 24.06.2018 - 23.06.2019; Deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren, n= 17.974 - 19.925 Foto: Imago Images

Bundesliga-Beliebtheitstabelle 2018: 1. SC Freiburg, 2. Holstein Kiel, 3. SV Sandhausen, 4. Jahn Regensburg, 5. FC St. Pauli, 6. FC Augsburg, 7. Spvgg Greuther Fürth, 8. Borussia Mönchengladbach, 9. Union Berlin, 10. FSV Mainz 05, 11. 1. FC Köln, 12. Erzgebirge Aue, 13. TSG 1899 Hoffenheim, 14. SC Paderborn, 15. Borussia Dortmund, 16. 1. FC Heidenheim, 17. SV Werder Bremen, 18. 1. FC Nürnberg, 19. VfL Bochum, 20. Eintracht Frankfurt, 21. SV Darmstadt 98, 22. Hannover 96, 23. FC Ingolstadt, 24. MSV Duisburg, 25. Arminia Bielefeld, 26. 1. FC Magdeburg, 27. Fortuna Düsseldorf, 28. VfL Wolfsburg, 29. VfB Stuttgart, 30. Bayer Leverkusen, 31. Hertha BSC, 32. Hamburger SV, 33. FC Schalke 04, 34. Dynamo Dresden, 35. RB Leipzig, 36. FC Bayern München

In den Umfragewerten von RB Leipzig drückt sich aus, dass der Verein deutlich weniger Menschen egal ist als viele andere Bundesliga-Vereine. Laut Statista-Umfrage aus dem Jahr 2017 haben 48% der befragten Fußballfans gegenüber RB eine neutrale Position. 28% lehnen den Verein ab, 24% stehen auf der Seite der Befürworter. Damit polarisiert RBL ähnlich stark wie der FC Bayern.

Good to Know

Was wenige wissen

RB Leipzig ist ein vom österreichischen Red Bull Konzern kontrollierter Fußballverein. Das ist hinlänglich bekannt. Wie der Brausekonzern es geschafft hat, die 50 +1 Klausel im DFL-Regelwerk formal einzuhalten und dennoch den Verein RB Leipzig so zu kontrollieren, wie das sonst nur der Bayer-Konzern in Leverkusen oder Volkswagen in Wolfsburg können, ist clever und weniger bekannt.

Auf dem Weg in die Fußball-Bundesliga haben die Köpfe hinter dem RBL-Coup geschickt die Lücken im Regelwerk von DFB und DFL umschifft. Zwischen dem letzten Heimspiel des damaligen Aufsteigers in der 3. Liga gegen den Ex-Bundesligisten 1. FC Saarbrücken (5:1) und der endgültigen Erteilung der Lizenz für die 2. Bundesliga liegen Anfang Mai 2014 zwölf Tage des Wartens. Am 15. Mai 2014 erteilt die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem „Dosenclub“, wie das Red Bull Fußball-Franchise auch abfällig genannt wird, die Lizenz. Mit Hilfe des Staranwalts Christoph Schickhardt gelingt es RBL, die „Eintrittskarte ins Fußball-Establishment“ zu lösen, so schreibt der Autor Ulrich Kroemer in seinem Buch RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen(Verlag DIE WERKSTATT, 2016). Wie? RB Leipzig, verpflichtet sich, zwei der ursprünglichen Forderungen von DFL/DFB zu erfüllen. Es sind dies zum einen die Änderung des Wappens zur weiteren Abgrenzung vom Red Bull Logo und zum anderen die Besetzung der Führungspositionen mit vom Hauptsponsor unabhängigen Personen. „Durch die verbindliche Erklärung, seine Gremien künftig mit mehrheitlich unabhängigen Persönlichkeiten zu besetzen…sowie das bisherige Logo mit Blick auf die Anforderungen der UEFA zu verändern, hat der Klub die wesentlichen Voraussetzungen des Lizenzierungsausschusses erfüllt… Einer Lizenzierung steht daher nichts mehr im Wege.“ So heißt es in der aus Frankfurt nach Leipzig übermittelten Bestätigungsnachricht zur Lizenzerteilung.

Wenige Tage vor Erteilung der Lizenz für die zweithöchste deutsche Fußball-Liga hat RB-Eigentümer Dietrich „Didi“ Mateschitz einen von Mitgliedern geführten Verein noch strikt abgelehnt. Der Getränke-Milliardär droht sogar, die frisch ausgehobene Baugrube für das Trainingszentrum am Cottaweg wieder zuzuschütten und „RB zu begraben.“ Doch mit den eher schwachen Auflagen der DFL kann der Alpen-Milliardär leben. Und schon ist man „drinne“, wie man in Leipzig sagt. Sportrechtler sehen die RBL-Lizenzierung bis heute als Coup. „Was RB Leipzig macht, ist zwar trickreich, aber zulässig“, sagte der Jurist Dr. Michael Lehmer unmittelbar nach der Lizenzierung. „Leipzig hat einfach immer wieder die Lücken des Regelwerks gut ausgenutzt“, bescheinigt auch der Düsseldorfer Jurist Dr. Paul Lambertz dem „Bullenclub“ eine ganz besondere Cleverness gepaart mit Chuzpe. Seine Meinung bis heute: „Anfangs war es wohl den DFL-Verantwortlichen gar nicht bewusst, dass es diese Schwächen gibt.“

RB Leipzig ist die Kopie und RB Salzburg das Original, mit dem der Brausemilliardär den Fußball im deutschsprachigen Raum dominieren und – wenn es nach den Fußballromantikern geht – nachhaltig beschädigen will. Und der Erfolg von RB Leipzig und RB Salzburg ist alleine auf die massive Zufuhr von Geld durch den Brausemilliardär zurückzuführen. Mit dem nötigen Kleingeld nichts Besonderes und leicht kopierbar. „Bimbes makes the world go round“.

So wird es in Fankurven erfolgloser Traditionsvereine und in romantisierenden Fußballtraditionen verhafteten deutschen Medien gerne holzschnittartig erzählt. Kaum gewürdigt wird, dass hinter dem fußballerischen Erfolg der RB-Teams nicht nur Geld steckt, sondern eine ausgefeilte Strategie. Ein wichtiges Element dieser Strategie ist dabei die Jugendakademie von Red Bull im österreichischen Liefering. Weitere Bausteine sind die Förderung eines ganz speziellen Red Bull Spielsystems und der intelligente Einsatz moderner Technologien bei Training, Spielanalyse und Rekonvaleszenz der Spieler. Fußball für das 21. Jahrhundert eben…

RB Leipzig
Abb.1.5.3 Vereinsstruktur RB Leipzig per 31. Juli 2019. Der Verein hat genau 17 ordentliche Mitglieder. Quelle: Wikipedia (Deutsch)

Die fußballerische Spielphilosophie von Red Bull sei dabei in Stein gemeißelt und jeder einzelne Trainer, jeder einzelne Mitarbeiter und jeder einzelne Spieler agiere nach dieser Spielidee. So drückt es Manfred Pamminger, Geschäftsführer des FC Liefering, dem Farmteam von RB Salzburg, auf redbull.com aus.10„Das Red Bull System basiert auf Pressing, Gegenpressing und dem schnellen Umschalten, das die Spieler verinnerlichen müssen,“ so Pamminger weiter.

Perfektioniert werden solle dieses Spielsystem durch einen Hightech-Komplex mit sechs Fußballfeldern, Fußballhalle, Kraftkammer, Athletikraum und Motorikpark, Sensoren, die Tag und Nacht Daten sammeln und die auf Servern gespeichert und von Computerprogrammen aufbereitet werden.11

Der Athletikraum - Mit einem speziellen Sprint-Trainingsgerät, bei dem sich Spieler Gürtel um das Becken schnallen, die über ein Seil mit einer computergesteuerten Hightech-Seilwinden verbunden sind, und gegen einen exakt einstellbaren Widerstand anrennen, soll das Sprinttraining verbessert werden. Der Trainer kann individuelle Leistungskurven in Echtzeit am Laptop analysieren und weiß nach wenigen Läufen, bei welchem Widerstand ein Spieler maximale Kraft hat, wann er seine Höchstgeschwindigkeit erreicht, wie lange er diese halten kann, und welcher Fuß mehr Kraft auf den Boden bringt. Alle Daten werden in einer Datenbank archiviert. Der Leistungsfortschritt eines Spielers kann über Jahre nachvollzogen werden.

Der High-Tech-Kraftraum mit Video-Workout - Direkt neben einer Laufbahn stehen 13 Arbeitsstationen für das Krafttraining. Spieler können sich via Tablet einloggen, ein individuelles Programm befolgen und Feedback von Computer und Trainer erhalten. Auf jeder Station ist ein Computer montiert, der mittels Infrarotkameras und Tablet das Training überwacht, Daten sammelt und in ein Netzwerk speist. Athletiktrainer können über eine Software vom Büro aus in Echtzeit individuelle Workouts erstellen.

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

„El Plastico“: Die höchste Bundesliga-Niederlage der „Roten Bullen“ – Stand Dezember 2019 - stecken die Leipziger im deutschen „El Plastico“ ein. 0:4 verlieren die Sachsen gegen die bei Traditionalisten ebenfalls wenig geliebte Mannschaft der TSG 1899 Hoffenheim. Das ist im Dezember 2017.

Der DFB-Pokal scheint lange wie gemalt für RBL-Gegner: 2015 gibt es eine derbe Niederlage beim Drittligisten Unterhaching. 2016, als Bundesliga-Aufsteiger, vergeigen die „Roten Bullen“ beim gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegenen sächsischen Nachbarn Dynamo Dresden in Runde 1 eine 2:0-Führung und verlieren im Elfmeter-Krimi schließlich mit 6:7 (2:2 n. V.). Ausgerechnet RBL-Urgestein Dominik Kaiser verschießt gegen Dresden-Keeper Marvin Schwäbe. Ein Jahr später fällt die Entscheidung wieder vom Punkt. 1:1 nach Verlängerung gegen den FC Bayern – und dieses Mal versagen Timo Werner die Nerven! Der Nationalspieler scheitert mit dem letzten Leipziger Elfmeter am Münchner Torhüter Sven Ulreich. Ein gewonnenes Elfmeterschießen in einem zentralen Pflichtspiel enthält die Klubchronik noch nicht... (Stand: Dezember 2019).

SV Sandhausen: Ausgerechnet der selbst ernannte „Liga-Zwerg“, der SV Sandhausen, schießt die „Bullen“ in der eigenen Arena höher ab, als jeder andere Klub es bis Ende Dezember 2019 schafft! Die Kurpfälzer gewinnen in der Zweitliga-Saison 2014/15 mit 4:0. Aziz Bouhaddouz trägt sich dabei dreimal in die Torschützenliste ein. Die Saison 2014/15 ist mit Rang fünf die bis dahin schlechteste für die erfolgsverwöhnten „Roten Bullen“. 50 Punkte bedeuten den Tiefstwert für den „Dosen-Club“.

Remis gegen Trondheim: Es ist der letzte Spieltag der Europa-League-Gruppenphase 2018/19. Obwohl „Bruderklub“ RB Salzburg mit 2:1 bei Celtic Glasgow im Parallelspiel wertvolle Schützenhilfe leistet, fliegt Leipzig raus. Gegen das bereits ausgeschiedene Team von Rosenborg Trondheim stolpert die Mannschaft von Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick nur zu einem 1:1 – und verschenkt das Weiterkommen! Drei harte Runden in der Qualifikation sind umsonst. Peinlich auch, wie Rangnick die Blamage anschließend schönredet. „Ich wüsste nicht, was ich der Mannschaft heute vorwerfen müsste“, sagt der Schwabe anschließend… Leipzig wäre bei einem Sieg im Sechzehntelfinale gewesen…

Obwohl RB Leipzig erst seit 2009 besteht, hat der Klub in den beiden höchsten deutschen Spielklassen einige beachtliche Negativrekorde aufgestellt. Negativrekorde, über die sich viele Vereine der Bundesliga freuen würden.

RB Leipzig
Abb.1.5.5 Mainzer Fans machen deutlich, was sie von RB Leipzig halten. Foto: Imago Images / Opoku Pix

Schlechteste Platzierung der Klub-Historie: 2017/18 reichen 53 Punkte in der Bundesliga nur zu Rang 6. Der Vizemeister des Vorjahres muss damit in die Europa-League-Qualifikation – und kommt in letzter Sekunde gegen Zorya Luhansk aus der Ukraine (3:2 / Hinspiel: 0:0) weiter…

Meiste Niederlagen: 2017/18 müssen die „Roten Bullen“ in der Bundesliga elfmal geschlagen von dannen ziehen – Vereins-Negativrekord!

Meiste Gegentore: Nein, die Saison 2017/18 ist nicht die Spielzeit von RB Leipzig! 53 Gegentore sind bis heute die schlechteste Bilanz für den Newcomer.

Schlechteste Tordifferenz: Mit einer Tordifferenz von plus vier (57:53) noch in den Europapokal – Leipzig kommt 2017/18 glimpflich davon…

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Erfolgreichster Neuling der Bundesliga-Geschichte: Die Vizemeisterschaft von RBL 2017 lässt den „All Time Record“ des 1. FC Kaiserslautern, 1997/98 als Aufsteiger Deutscher Meister, wackeln, kippt ihn aber nicht. Dennoch: Leipzig ist der erste Bundesliga-Neuling, Lautern ist 1997 Aufsteiger, aber kein Liga-Rookie, dem der direkte Sprung von Liga 2 in die Champions League gelingt.

Leipzig liebt Berlin: Nicht hinschauen, Hertha-Fans, aber die Fußball-Hauptstadt in Ost- und Mitteldeutschland heißt Leipzig, nicht Berlin! Die Hertha ist der absolute Lieblings-Gegner von RB Leipzig in der Bundesliga! Sieben Spiele, sechs Siege, plus 18 Tore und beim 4:1 am 32. Spieltag 2016/17 die direkte Champions-League-Teilnahme klar gemacht. Das kann man mal so machen.

Noch eine schlechte Nachricht für alle Herthaner: Auch die Hertha-Bubis, die 2. Mannschaft der Berliner, machen es gegen Leipzig nicht besser als die BL-Profis! 16 Punkte holt RBL aus sechs Spielen gegen Hertha II in der Regionalliga Nord bzw. Nordost (2010 bis 2013).

Der höchste Sieg in der Bundesliga: Gegen den FSV Mainz 05 feiern die Bullen am 2. November 2019 ein Schützenfest, das die Bundesliga nur selten gesehen hat. Es ist erst das sechste 8:0 seit der Bundesliga-Gründung 1963/64. Nach 52 Minuten steht es schon 7:0, ein zweistelliges Ergebnis liegt in der Luft. Dann lassen es die Bullen etwas ruhiger angehen, nur Timo Werners Torhunger ist noch nicht fertig. Sein drittes Tor bedeutet den 8:0-Endstand und das höchste Bundesligaresultat - Stand Dezember 2019 - seit 19 Jahren, als Leverkusen 9:1 in Ulm gewinnt.

„Bullen“ als Pokal-Schreck: 29. Juli 2011 – Die Red Bull Arena sieht die DFB-Pokal-Premiere von RBL. Mit 3:2 schlägt der damalige Regionalligist den hoch favorisierten Bundesligisten VfL Wolfsburg vor 34.341 Fans. Held des Tages ist der dreimalige Torschütze Daniel Frahn. Das nächste VfL-Training unter Felix Magath soll nicht das wahre Vergnügen gewesen sein ...

RB Leipzig
Abb.1.5.6 RB Leipzig bejubelt nach dem 4:1-Triumph in Berlin die Vizemeisterschaft 2017 und den Einzug in die Champions League – als Bundesliga-Neuling. Foto: Imago Images / Sven Simon

Nie mehr Oberliga! Diesen Evergreen im deutschen Amateurfußball nehmen die Neulinge von RBL wörtlich und schießen in ihrer Premieren-Saison 2009/10 in der Oberliga NOFV-Süd alles zusammen. 80 Punkte aus 30 Spielen, 26 Siege, bei je zwei Remis und Niederlagen – die beste Spielzeit der noch jungen Klub-Geschichte, die sich auch im Torverhältnis ausdrückt. 74 Treffer gelingen den Sachsen, 17 Gegentore müssen sie hinnehmen. Bester Torschütze mit 14 Buden: Ein gewisser Jochen Höfler. Einziger Schönheitsfehler: Eine von zwei Niederlagen gibt es im Stadt-Derby bei Sachsen Leipzig (1:2).

Der größte Erfolg gelingt RB Leipzig als Bundesliga-Aufsteiger in der Saison 2016/17: Unter Trainer Ralph Hasenhüttl stürmt die Mannschaft als Vizemeister in die Champions League und erreicht trotz „Abstieg“ in die Europa League im europäischen Fußball-Unterhaus das Viertelfinale. Der spätere Finalist Olympique Marseille ist beim 2:5 (1:0 im Leipziger Hinspiel) eine Nummer zu groß für den Europapokal-Debütanten.

Finale des DFB-Pokals: Im DFB-Pokal bedeutet der Einzug ins Finale 2019 das beste Abschneiden des noch jungen Vereins in diesem Wettbewerb. Über die Stationen Viktoria Köln (3:1), 1899 Hoffenheim (2:0), VfL Wolfsburg (1:0), FC Augsburg (2:1 n. V.) und Hamburger SV (3:1) erreicht das Team von RB-Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick erstmals ein nationales Finale. Im DFB-Pokalfinale 2019 in Berlin ist Rekord-Cupgewinner FC Bayern München am 25. Mai zu stark – 0:3.

Sachsenpokalfinale: Zuvor steht man 2011 und 2013 – jeweils als Regionalligist – im Sachsenpokalfinale (1:0 und 0:2 gegen Chemnitzer FC).

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Dominik Kaiser

Der Aufstiegshelfer:Vier Ligen durchspielt „Domme“ als Leipziger während seines sechsjährigen Aufenthalts. Von Hoffenheim wechselt der Mittelfeldspieler zur Saison 2012/13 zu RBL in die Regionalliga Nordost. Mit dem Verein steigt er am Ende der Saison in die 3. Liga auf. In der Saison 2013/14 trägt …

Oliver Mintzlaff

RB Leipzig hat viel Geld:Und gute sowie schlaue Leute. Einer von diesen ist Oliver Mintzlaff. Mintzlaff ist ehemaliger Langstreckenläufer und Manager bei Puma. Von 2014 bis 2017 ist Mintzlaff als „Head of Global Soccer“ der Red Bull GmbH für sämtliche Fußball-Aktivitäten des Konzerns verantwortlich.…

Timo Werner

Der Zuverlässige:Seit 2016 stürmt der Schwabe für die Leipziger Bullen und schießt seitdem in fast jedem zweiten Spiel ein Tor. Ende 2019 firmiert er mit großem Abstand als Rekordtorschütze der Bullen in der Bundesliga, für die er allein in den ersten drei Jahren 50 Treffer markiert und immer bester…

Ralf Rangnick

Der Professor:Seit 2012 ist Rangnick als Sportfunktionär für die Leipziger zuständig. Er begleitet die Aufstiege in die 3. (2013) und 2. Bundesliga (2014), bevor er in den Spielzeiten 2015/16 und 2018/19 auch als Cheftrainer zum Einsatz kommt. Der „Fußball-Professor“, seit einem legendären Sportstud…

Dietrich Mateschitz

Der Milliardär:Dietrich Mateschitz ist ein österreichischer Unternehmer. Und er ist Milliardär. Über seine Distribution & Marketing GmbH hält er 49 Prozent der Anteile der Red Bull GmbH. Sein Vermögen wird auf 23 Milliarden US-Dollar geschätzt: Stand Forbes Liste - The World’s Billionaires 2018. Mat…

RB Leipzig
Abb.1.5.7 Oliver Mintzlaff (l.) und Ralf Rangnick (r.) haben dafür gesorgt, dass die Brause-Millionen sinnvoll investiert wurden. Foto: Imago Images/opokupix

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Daniel Baier

Der Fummler:In der 74. Minute eines hitzigen Spiels gegen den FC Augsburg im Jahr 2017 geht Daniel Baier rund zehn Meter entfernt von der Leipziger Bank nach einem Zweikampf zu Boden. Beim Aufstehen spuckt er zunächst in Richtung der Trainerbank am Spielfeldrand und deutet im Anschluss die typische …

Hans

Joachim Watzke – Der Kritiker:„Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu promoten“, spricht Watzke abfällig über die Leipziger Aufstiegsmannschaft. Immer wieder kritisiert er (der Chef des einzigen an der Börse notierten Bundesligavereins) die Kommerzialisierung des Fußballs, die in Leipzig …

RB Leipzig
Abb.1.5.8 Die Band Silly mit Sängerin Anna Loos sorgt bei Leipzigs Bundesliga-Aufstiegsfeier 2016 für Misstöne. Foto: Imago Images / Eibner

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Alexander Zorniger – Der eigenwillige Taktiker:Alexander Zorniger ist ein deutscher Fußballtrainer mit einer eigenwilligen Philosophie. Nach diversen Stationen in Süddeutschland, darunter der des Co-Trainers von Markus Babbel beim VfB Stuttgart, wird Zorniger am 3. Juli 2012 Cheftrainer bei RB Leipzig. Er folgt dem Österreicher Peter Pacult nach, dem der neue Sportdirektor Ralf Rangnick kündigt. Zorniger steigt in seinem ersten Jahr mit den Leipzigern 2013 in die 3. Liga und 2014 in die 2. Bundesliga auf. Im Rennen um die Aufstiegsplätze zur Bundesliga verliert Leipzig in der Rückrunde 2015 in der Tabelle den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen. In einem Interview lässt er verlautbaren, dass er „nicht aufsteigen müsse.“ Zorniger ist ein Anhänger des Offensivfußballs und lässt seine Teams ungerne verteidigen. Damit hat er bei Ralf Rangnick keine Chance auf Erfolg. Denn der will aufsteigen – sofort. Zorniger weigert sich, sein Spielsystem umzustellen. Darauf kündigt der Verein an, sich zum Saisonende von ihm zu trennen. Zorniger tritt am 11. Februar 2015 vorzeitig selbst zurück. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Titel – heißt es.

Rolf Gall – Der mutige Elektriker:Ein Elektriker gibt den Impuls für Red Bull – Roland Gall heißt der Mann. „Ich will mich nicht mit falschen Lorbeeren schmücken, aber die Tür aufgemacht hab ich“, sagt der ehemalige Elektrikermeister im Sommer 2015 in einem Interview. Gall, ein Fan der BSG Chemie Leipzig, sucht 2006 händeringend nach Sponsoren für seinen Herzensklub – und landet bei Red Bull in Österreich. Als er abblitzt, wendet er sich an Dr. Michael Kölmel, den Besitzer der heutigen Red Bull Arena. Dessen Assistent Dr. Otto Schlörb sorgt schließlich im Oktober 2006 dafür, dass Red Bull in Sachsen anbeißt. Gall wird Ehrenmitglied bei RB Leipzig. Er verstirbt im November 2015. Mit 65 Jahren.

RB Leipzig
Abb.1.5.9 Alexander Zorniger ist von 2012 – 2015 Trainer bei RB Leipzig und „muss“ dann nicht aufsteigen Das war es in Sachsen. Foto: Imago Images/Picture Point LE

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Dass den „Roten Bullen“ vor allem bei Auswärtsspielen nicht nur Ablehnung, sondern blanker Hass entgegenschlägt, gehört zu den Begleiterscheinungen im deutschen Fußball. Vor allem für einen „Traditionalisten“ unter den deutschen Großklubs ist die erste Begegnung vor heimischer Kulisse gegen RB Leipzig speziell...

Dortmund und die gelbe Wand der Schande: „Sündenbock der Fußballnation – Vom ersten Auftritt 2009 an wird RBL von gegnerischen Fanszenen geächtet“, schreibt der Autor Ulrich Kroemer 2016 in „RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen“, „bisweilen kreativ, viel zu oft dumpf, reflexhaft und unter der Gürtellinie, manchmal gar gewalttätig. Im siebten Jahr des Vereinsbestehens hat die Vehemenz abgenommen.“ Irrtum. Was am 4. Februar 2017 auf die Leipziger Profis und ihre gut 6.000 Fans im Dortmunder Signal Iduna Park niederprasselt, ist jenseits von Anstand, Moral und Fankultur. Hass-Plakate, die mitunter menschenverachtend daherkommen, Jagdszenen rund um den sonst so stimmungsvollen Fußballtempel. Der DFB reagiert und sperrt die berühmte Dortmunder Südtribüne („Gelbe Wand“) für ein Spiel. Gegen Wolfsburg ist das Epizentrum der Dortmunder Fußballbegeisterung, wo gegen Leipzig die schlimmsten Parolen zu lesen sind, menschenleer.

Sprüche, nichts als Sprüche: RB Leipzig – Das ist eines der ehrgeizigsten Projekte des deutschen Fußballs – aber manchmal auch Motivations-Seminar auf Red Bull! Jürgen Klinsmann führt sich 2008 beim FC Bayern als Coach mit Buddha-Figuren auf dem Dach ein, Julian Nagelsmann greift 2019 bei RB als neuer Coach in die Sprüchekiste. Er lässt das Trainingsgelände am Cottaweg mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten regelrecht tapezieren. „Gewinnen ist nicht alles, es ist das einzige“, ein Spruch von Football-Trainer Vince Lombardi ist ebenso zu lesen wie „Mache jeden Tag zu deinem Meisterstück“ von Basketball-Coach John Wooden. Damit knüpft er an seine Vorgänger Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl an, die ebenfalls zu dieser Form der Motivation auf dem Trainingsgelände greifen.

Der verhinderte Fair Play-Preis: RB ist am bis dato letzten Spielabbruch eines DFB-Pokalspiels beteiligt und profitiert davon. Denn bei Drittligist VfL Osnabrück liegen die damals zweitklassigen Bullen am 10. August 2015 bis zur 71. Minute mit 0:1 zurück, ehe ein Feuerzeug Schiedsrichter Petersen am Kopf trifft und der unter Schmerzen das Feld verlässt. Er kommt an diesem Tag nicht mehr zurück – Abbruch. Noch vor der Sportsgerichtsverhandlung bieten die Bullen ein Wiederholungsspiel an, sie wollen ein fast verlorenes Spiel nicht am Grünen Tisch gewinnen. Aber für noble Gesten ist der DFB nicht zu haben, wenn die Rechts- und Verfahrensordnung dagegenspricht. „Würden wir auf dieses Angebot eingehen, so wäre dies gleichbedeutend mit dem Verlust jeder Rechtssicherheit. Die Gestaltung eines Wettbewerbs kann nicht vom Goodwill einzelner Vereine abhängig sein", sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. So kommt RB kampflos weiter und nicht zu der Ehre, dem Fair Play gedient zu haben, obwohl sie es wirklich versucht haben.

Zoff ums zlatanische Trikot: Leipzig, 18. Juli 2014. Mit Paris St.-Germain stellt sich erstmals ein internationaler Top-Klub bei den „Roten Bullen“ vor. Der Zweitliga-Aufsteiger überrascht beim 4:2 (1:1)-Erfolg bei Bullenhitze. PSG-Superstar Zlatan Ibrahimovic spielt nur eine Halbzeit, löst aber dennoch beinahe eine handfeste vereinsinterne Krise aus. Nach der Pause bittet ihn Daniel Frahn um das edle Zlatan-Trikot. Der Schwede winkt ab und deutet an, dass er das Jersey schon Terrence Boyd versprochen habe. Der US-Amerikaner kassiert das Shirt ein. Frahn ist noch nach dem Abpfiff angefressen: „Respekt gibt es anscheinend nicht mehr.“ Zlatan lässt sich nicht lumpen. „Ich habe gehört, dass der Kapitän wegen des Trikots wütend ist. Ich habe noch ein zweites dabei, das kann er gerne bekommen“, gibt sich der Meister des zlatanischen Fußballs generös.

RB Leipzig
Abb.1.5.10 Daniel Frahn – Eine Art „Mister RB Leipzig“ aus der Anfangszeit. Foto: Imago Images / Picture Point, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Dass RasenBallsport Leipzig eigentlich Red Bull Leipzig heißen müsste, weiß jeder. Doch nicht alles ist über den „Dosenclub“ so bekannt, deshalb die folgenden Fun Facts.

Daniel Frahn – Der Sturmbulle: Kein anderer Spieler hat bis Ende Dezember 2019 mehr Saisontore für die „Roten Bullen“ erzielt als Daniel Frahn. In der Regionalliga-Saison 2011/2012 trifft der Halbstürmer in 34 Spielen 26-mal – Vereinsrekord! Mit 0,57 Treffern hat Frahn auch den besten Tor-Schnitt aller RB-Profis, ehe ihm Timo Werner gefährlich nahekommt. Auch der Nationalspieler steht im November 2019 bei 0,57 Toren pro Spiel – in der Bundesliga!

Zuschauer-Rekord am Tag der Schande: Beim von Fan-Protesten und Ausschreitungen überschatteten 0:1 von RBL bei Borussia Dortmund am 4. Februar 2017 gibt es auch die größte Anzahl an Zuschauern bei einem Spiel des 2009 gegründeten Vereins. 81.360 Fans verfolgten das hoch brisante Duell im Hexenkessel des Signal Iduna Park.

Nach Diego kommt lange nichts: Am 26. Oktober 1988 gastiert der SSC Neapel mit Superstar Diego Armando Maradona im Leipziger Zentralstadion, der heutigen Red Bull Arena. Im UEFA-Cup-Spiel gibt es für Napoli ein 1:1 beim 1. FC Lokomotive Leipzig („Loksche“). Bis wieder Europacup-Stimmung in Leipzig herrscht, sollen 29 Jahre ins Land gehen. RB Leipzig bringt am 13. September 2017 das Europapokal-Flair zurück in die Messestadt – 1:1 beim Champions-League-Debüt gegen AS Monaco.

Salzburger Filiale – Die Transferströme von RB Leipzig sind leicht zu verfolgen: 16 Spieler holt der junge Klub von Schwesterklub RB Salzburg (Stand: Dezember 2019). Dabei wird ein Transfervolumen von 84 Mio. Euro bewegt. Der teuerste Spieler, den man von der Mozart- in die Bachstadt lotsen kann, ist 2016 der Nationalspieler Guineas, Naby Keita. Der Mittelfeldspieler kostet 24 Mio. Euro.

RB Leipzig
Abb.1.5.11 Der spätere Nationalspieler Joshua Kimmich im Drittliga-Spiel RB Leipzig gegen 1. FC Saarbrücken (5:1). Danach muss RBL auf die Lizenzvergabe für die 2. Liga warten. Foto: Imago Images / Picture Point

Ausverkauft: Mit 41.795 Zuschauern ist die Red Bull Arena zum ersten Mal im Heimspiel gegen den FC St. Pauli bei einem Pflichtspiel ausverkauft. Es ist der 23. August 2015.

Der Vorname stammt von Maradona: Diego Demme kommt über den SC Paderborn 07 im Jahr 2014 zu RB Leipzig. Er spielt in der 3. Liga, der 2. Bundesliga, der Bundesliga sowie im Europapokal für RBL überwiegend als zentraler Mittelfeldspieler. Demme wird 1991 als Sohn einer Deutschen und eines Italieners im nordrhein-westfälischen Herford geboren. Sein Vater stammt aus Kalabrien und ist Fan des SSC Neapel und von Diego Maradona. Von diesem stammt auch Demmes Vorname. Als Kind trägt Diego Demme regelmäßig Napoli-Trikots. Folgerichtig wechselt er im Januar 2020 zum SSC, als dieser ihn verpflichten will.

Special Moments

Keiner will die Red-Bull-Millionen!

„Trinken Sie noch ein Bier mit?“ – Diese Frage kommt für Rolf Heller, Präsident des FC Sachsen Leipzig, an einem Sommernachmittag 2006 während eines Spiels im Leipziger Westen unvermutet. Der Mann, der ihn auf ein Pils einlädt, ist Rolf Gall (65), ein ehemaliger Elektriker und Rentner, der seit 25 Jahren Mitglied bei der BSG Chemie Leipzig und auf eigene Faust auf die Suche nach Sponsoren gegangen ist.

Denn das Geld in Leipzig ist knapp. Nach der deutschen Wiedervereinigung schließen sich die „Chemiker“, die den DDR-Fußball zweimal im Europapokal vertreten haben, mit Chemie Böhlen zum „FC Sachsen Leipzig“ zusammen. 2001 geht der Verein in die Insolvenz und zieht 2004 aus dem alten Chemie-Stadion Alfred-Kunze-Sportpark ins komplett umgebaute Zentralstadion um. Das ist traditionell die Heimat des verhassten Stadt- und Erzrivalen 1. FC Lokomotive Leipzig. Großer Fußball in Leipzig, so hat man als Außenstehender den Eindruck, findet nur statt, wenn die Bayern, der FC Schalke 04 und Werder Bremen zu dem zu einem Top-Event hochgejazzten „Premiere Liga-Pokal“ ab 2007 in die Stadt kommen.

Das Zentralstadion gilt in den Jahren nach der WM und der vorangegangenen Generalprobe beim Confed-Cup 2005 als Investitionsruine. Es herrscht „Totentanz im Schauspielhaus“, wie DER SPIEGEL befindet, wenn Sachsen Leipzig in der Regionalliga Nord dort vor leeren Rängen antritt. Schon 1999 kann sich der Verein nur mittels einer Partnerschaft mit dem Geschäftsmann Dr. Michael Kölmel, der auch den 1. FC Union Berlin und Fortuna Düsseldorf „saniert“, vor der drohenden Pleite retten. Der Mann mit dem Geldkoffer ist auch Teilhaber am Zentralstadion und will die WM-Arena am liebsten verkaufen.

Das ist die Ausgangssituation, in der „Sachsen-Galli“, wie sie Rolf Gall in Leipzig nennen, auf Heller trifft. Der klagt Gall am Biertisch sein Leid. „Da muss man was machen“, entgegnet der Elektriker, dem in diesem Moment wohl die legendäre Zeile von Peter Alexander im Kopf herumgeht: Bei Bier und bei Korn findet mancher die Lösung für alle Probleme der Welt. „Ich verspreche Ihnen“, sagt er nach kurzem Überlegen, „Sie bei der Suche nach Sponsoren zu unterstützen.“ Wieder zu Hause in Hohenmölsen, eine gute Autostunde von Leipzig entfernt, erinnert sich Gall an seinen guten Freund Roland Zickler, den Vater des ehemaligen Bayern-Stürmers Alexander Zickler. „Der Roland“, denkt er so bei sich, „den hat es doch zu Red Bull Salzburg verschlagen.“ Stimmt.

Und RB Salzburg ist der Verein, der 2005 die Lizenz des SV „Casino“ Salzburg übernommen und die heile aber dröge österreichische Fußballwelt auf den Kopf stellt. Was macht Gall? Er notiert die Adresse der Firma von einer Dose Red Bull Energydrink und schreibt einen Brief an Red Bull-Gründer Dietrich „Didi“ Mateschitz. „Mehr als Nein sagen kann er nicht“, spricht Rolf Gall das aus, was alle Optimisten in solchen Momenten denken. Zehn Seiten schickt er an den Getränke-Giganten. Ob Mateschitz sie gelesen hat, ist nie geklärt worden. Klar ist aber, dass dies die erste Kontaktaufnahme zwischen dem Leipziger Fußball und Red Bull ist.

„Sachsen-Galli“ bekommt sogar eine Antwort. „Wir bedauern, dass wir Ihre Anfrage als Trikotsponsor abschlägig beantworten müssen“, steht drin, „da wir momentan nicht bei Projekten des Fußballs involviert sind.“ Der Leipziger gibt aber nicht auf. Er ruft in Salzburg an. „Den Herrn Mateschitz hätt‘ ich gern gesprochen“, sagt er – doch er muss mit seiner Assistentin Kathrin Kalt Vorlieb nehmen. Er schildert ihr noch mal eindringlich sein Anliegen. „Bleiben Sie dran, wir behalten das im Auge“, beschwichtigt sie ihn. Klingt irgendwie nach „Wenn das für uns interessant ist, melden wir uns.“ Jetzt ist Gall auf Kurs. Bei der Jahreshauptversammlung holt er sich Dr. Michael Kölmel zur Seite. Wenn es um Geschäfte geht, hat der gebürtige Karlsruher immer ein offenes Ohr. „Ich glaube nicht daran“, macht Kölmel dem Visionär Gall wenig Hoffnung auf ein Investment von Red Bull in Leipzig.

Aber Kölmel hat den Braten gerochen. Die Kosten für das Zentralstadion drohen ihm nämlich aus dem Ruder zu laufen. 100.000 Euro Miese macht Kölmel mit dem Zentralstadion pro Monat. Fast eine Million Euro sollen helfen. Sie werden von der Stadiongesellschaft in den in der viertklassigen Oberliga spielenden FC Sachsen Leipzig gepumpt.

Der Kernphysiker Dr. Otto Schlörb sucht in Kölmels Auftrag Sponsoren und wendet sich im Auftrag des FC Sachsen erneut an Red Bull. Und mittlerweile hat sich in Österreich die Sachlage komplett verändert. Denn Red Bull will in den deutschen Fußball investieren und hat auch schon bei einigen Vereinen vorgesprochen, sich aber nur Absagen geholt. Die Bullen versuchen es zuerst bei Traditionsvereinen in deutschen Großstädten. 1860 München, Fortuna Düsseldorf und der St. Pauli lehnen die Brause-Avancen ab. FC Red Bull St. Pauli, 1860 Red Bull München oder Fortuna Red Bull Düsseldorf – all dieses funktioniert nicht. Denn nachdem mit allen Vereinen grundsätzliche Marketingmöglichkeiten ausgetauscht worden sind, stellt sich für die Opfer der „Brause-Begierde“ schnell heraus, dass Red Bull bei einer Übereinkunft keineswegs nur einer von vielen Sponsoren sein will. Die Österreicher sind ziemlich eindeutig: Es könne nur der spezielle Red-Bull-Ansatz gegangen werden: Entweder talentierte Sportler zu Red-Bull-Athleten machen oder eigene Sportarten erfinden oder wie in der Formel 1 ein eigenes Team aufbauen – alternativ einen eigenen Fußballklub haben.

RB Leipzig
Abb.1.5.12 Abb.1.5.12 Die Vereins-Mäzene Mateschitz (l.) und Hopp (r.) beim Boxkampf. Fanplakat vom 02.12.2017 beim Spiel TSG Hoffenheim vs. RB Leipzig. Foto: Imago Images/ Picture Point

Die Vereinsvertreter sind pikiert, verweisen auf große und mächtige Fanszenen, die sich eher mit den Anhängern von Austria Salzburg solidarisiert und gegen die Übernahme des Vereins protestiert hätten13. Austria Salzburg soll nun das „Role Model“ für Deutschland sein. Doch keine Chance.

Die Österreicher müssen umdenken. Statt eines deutschen Großstadtklubs mit Tradition suchen sie nun einen an eine deutsche Großstadt „angeschlossenen“ Klub ohne Tradition und ohne aufmüpfige Fanszene, aber mit Potential, der in einer möglichst hohen Liga spielen soll. In einer schnell aufgestellten Short List, an der auch Franz Beckenbauer mitwirkt, steht Leipzig ganz oben. Großstadt, keine große fußballerische Konkurrenz weit und breit (jedenfalls keine richtige), großes Stadion und ein paar passende Vereine, die relativ weit oben spielen und von komplett traditionslos bis mäßig mit Tradition behaftet reichen.

Und so wird der Kernphysiker Dr. Otto Schlörb anders als der schwitzende Elektriker Gall im Jahr 2006 in das Salzburger Repräsentationsgebäude des Red Bull Konzerns, Hangar 7, eingeladen. Diese Treffen bringen schnell die Wende. Am 2. Oktober 2006 meldet sich Dany T. Bahar, rechte Hand von Mateschitz, bei Schlörb. Die Bullen haben angebissen. „Wir erwägen, uns im deutschen Fußball zu engagieren“, steckt Bahar Dr. Schlörb. Natürlich streng vertraulich. Er will nicht, dass das am nächsten Morgen in der BILD-Zeitung steht.

Ein diskretes Hotel in Berlin ist der Schauplatz, an dem Kölmel und Co. Red Bull ein tragfähiges Konzept vorlegen. Es ist der 4. Oktober 2006. Kölmel und Schlörb ahnen allerdings, dass der FC Sachsen auf die von Red Bull gestellten Bedingungen – unter anderem Änderung der Trikotfarben von Grün-Weiß in Rot-Weiß, Namensänderung, Verkauf der Namens- und Stadion-Namensrechte – schwerlich eingehen wird. Obwohl man um die vorprogrammierte Palastrevolte der Leipziger Fans weiß, trifft man sich am 22. Oktober 2006 wieder mit Mateschitz. Dieses Mal in einer Loge im Salzburger Stadion und im Beisein von Mateschitz-Berater Franz Beckenbauer. Das ist gefährlich, denn der deutsche Fußball-Kaiser kann normalerweise nicht aus dem Haus, ohne dass es am nächsten Tag irgendwo zu lesen ist. „Beckenbauer hat Leipzig ins Spiel gebracht“, erinnert sich Sachsen Leipzigs damaliger Schatzmeister Dr. Georg Flascha.

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Jeden Tag und jede Nacht, Sind wir für Rasenballsport wach. Wir singen Ayayayayo, Uaayayayayo, Ole ole ola. Für Rasenballsport sind wir da. Jeden Tag und jede Nacht, Für Sachsens neue Macht. Wir stehen zusamm' und nie allein. Für unseren Leipziger Verein“. Fangesang RB Leipzig

„Ralf

Rangnick) will aufsteigen und ich net." Ex-RBL Trainer Alexander Zorniger kurz vor seiner Demission

„Sportlich haben wir in ein Wespennest gestochen. Dass es jetzt ein bisschen summt, ist klar. Ralph Hasenhüttl“ – Ex-Trainer von RB Leipzig

„Ob ich RB Leipzig als Markenklub eines Dosengetränks ohne Tradition ein freundliches Image verleihe? Sehen Sie, für einen Trainer ist es überhaupt kein Nachteil, wenn der Verein keine große Tradition hat. Warum? Selten kommt dort einer um die Ecke und erzählt, wie toll alles vor 20 Jahren war.“ Ralph Hasenhüttl – Ex-Trainer von RB Leipzig

Lieber Ratten mit Ball, als Rasenball. Verpisst euch Kommerzschweine. Fick dich Mateschitz. Rangnick halts Maul. Bier statt Brause. Richtiger Bullshit. Verpisst euch ihr Bastarde. Bier statt RB. Für den Volkssport Fußball - gegen die, die ihn zerstören. Bei RB kriegen wir das Kotzen. Bullenschweine. RB-Schweine. Mit Red Bull ist Fußball nur noch Sport. Weiter so RB! Schon fast so viele Mitglieder wie das Politbüro der SED. Red Bull? Vodka Pur!! Lieber Herne West, als eure Bullenpest. Bullenschweine. Ihr seid hier nicht willkommen. Pflastersteine auf die Bullen. Rinderwahn in Leipzig stoppen. Unser Haze verleiht Flügel. Wer den Fußball liebt, hasst RB. Für mehr Bullenhass hätten wir euch eigentlich nicht gebraucht ...Fuck RB. Scheiss RB. Burnout Ralle: Häng dich auf. Ganz DO hasst RB. Totengräber des Fußballs. Eure Eltern sind Geschwister. Mintzlaff du Hurensohn. VeRBuddelt euch. Geboren auf Vorstadtwiesen mit nem Traum, nicht aus Geldgier in nem Vorstandsraum. Scheiss auf Red Bull. Verpisst euch aus unserem Sport sofort!!! Der DFB zerstört den Fußball, Red Bull ist der Beweis. Raus aus der Bundesliga Reudige Bastarde. Nein zur Dose, kauft Flaschen. R.I.P Fußball 19.05.09 †. Grün-weiße Bullen reichen uns. Bullen schlachten. Bier gegen Bullen. Leipziger Dosensöhne. RB verpiss dich! Der Fußball gehört uns! Ruhrpott superflott statt Brauseschrott. Vereinsrechte mit Füßen getreten. Beer is a passion RB only a Fashion. Statt Taurin aus Thailand lieber Frauen mit Eiern. Alle Bullen sind Schweine. Richtig Behindert. Bierhauptstadt hasst Red Bull. Aus Coesfeld kommen wir und trinken Korn und Bier!!! Scheiß RB!!

Plakatprotest der Dortmunder Südtribüne gegen RB Leipzig. Spruchbänder Borussia Dortmund Fans

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Intelligence

Die laufende Informationsbasis für fundierte Predictions: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form — alles, was ein Profi über RB Leipzig wissen muss.

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Andere Vereine

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

Match Intelligence · Prediction Markets · Directional Alpha

Über dieses Projekt

„AKTE LEIPZIG" ist ein Dossier über RB Leipzig. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Sophie Hargesheimer, Thomas Look & Carsten Germann
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar